Während des Ableierns der deutschen Hymne vor dem letzten Spiel der Nationalelf hat das Schweizer Fernsehen eine falsche Untertitelung per Videotext eingeblendet.
Laut SpOn zeigt sich der Sender natürlich peinlich berührt.
"Das war ein unverzeihlicher Fehler", sagte Gion Linder, zuständiger Koordinator bei Swiss Text, der Tageszeitung "Blick". "Wir entschuldigen uns in aller Form dafür." Den Fehler hätten zwei junge Kollegen gemacht, die schlecht recherchiert und den falschen Text aus dem Internet kopiert hätten. Mit den beiden habe man das Gespräch gesucht, "damit solche Fehler in Zukunft nicht mehr vorkommen".
Soweit, so gut. Merkwürdig wird es erst, wenn man bei
Focus (sorry) weiterliest.
Zwei junge Sportredakteurinnen, welche sonst nur den Kommentar der Reporter eintippen müssen, hätten bei der Recherche versagt und die falsche Strophe aus dem Internet kopiert. Linder:„Wir haben mit den beiden Mitarbeiterinnen gesprochen, damit solche Fehler nicht mehr vorkommen.“ Eine Entlassung müssen sie nicht befürchten. Linder beschwichtigt: „Politik und Geschichte zählen nicht zu ihren Stärken.“
Als ob es nicht ausreichen würde sich einen derartigen Schnitzer zu leisten, werden die beiden Damen noch bloßgestellt von ihrem Arbeitgeber. Dass Politik und Geschichte nicht zu ihren Stärken haben wir uns ja schon fast gedacht, noch genauer brauchen wir es nicht. Danke.
Man könnte – selbstverständlich als reines Gedankenspiel – auch mal davon ausgehen, dass der Vorfall nicht nur dem Schweizer Fernsehen peinlich sein müsste, sondern auch einem Land, das eine Hymne mit sich herumschleppt, die man ohne Zweifel als "ideologisch belastet" klassifizieren könnte.
Sport1 meint gar, es sei eine "Nazi-Hymne" - nun, wie passend, dass eben jene Hymne stets bei offiziellen Anlässen gespielt wird, wenn auch unter Auslassung der ersten beiden Strophen. Die SpOn-Schlagzeile lautete Google zufolge vormals auch "Schweizer Fernsehen blendet Nazi-Hymne ein", mittlerweile hat man die Mehrdeutigkeit dieser Umschreibung offenbar eingesehen.