le dernier cri
Da wo ich jetzt wohne, ist ein orange-metallicfarbener Polo mit Ferrari-Felgen; hinter der Windschutzscheibe ein Playboy-Häschen, auf der Hutablage ein Plüschhase.



Die beste Band der The-Jahre: The Stills.



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Und wer rettet mich?




Teil 2, Teil 3






Unkompliziert und pragmatsich wie sie ist, fasst die Frau des Chefs auch mal mit an, wenn Not am Mann ist und zapft selber ein Bier, wobei die Betonung auf dem Wort "ein" liegt und nicht auf "selber". Ich sehe sie schon Tage später andernorts berichten davon wie sie selbst in die Bresche gesprungen ist (die Formulierung ist an dieser Stelle sehr wichtig, "ich selbst"), so völlig selbstlos und uneitel. Von Claus Peymann wurde mir wenige Tage vorher kolportiert, er habe verlauten lassen selber im BE Karten zu verkaufen, weil Theater eben auch eine Arbeit sei und er sich nicht vor Arbeit drücke wie andere Intendanten. Die Arbeit besteht aber wohl eher im davon Erzählen und das, was als Arbeit verstanden wird, ist erzählerische Inspiration dieses Handwerks.



Dieses Wort gehörte zur Gegenpartei. Ich hatte von Brecht gelernt, nicht so romantisch zu glotzen. Es gelte, sich im Theater zurückzulehnen und eine distanzierte, abwägende Haltung einzunehmen. Auch die Darsteller sollten zu ihrer Rolle Distanz halten, damit sich zeige: Dieser Mensch ist so und so, weil die Verhältnisse so und so sind. Und die Verhältnisse sind so und so, weil der Mensch so und so ist. Er ist aber nicht nur so vorstellbar, wie er ist, sondern auch anders, so wie er sein könnte, und auch die Verhältnisse sind anders vorstellbar, als sie sind.

Harun Farocki über Einfühlung



Sicher grenzt es an schamlosen Opportunismus im medialen Gedränge auf den antikapitalistischen Zug aufzuspringen und den hoch erhobenen Zeigefinger vor den Gesichtern jener Leute moralisch entrüstet herumzuwedeln, die man wenige Tage zuvor möglicherweise noch als große Filmemacher tituliert hätte. Aber es geht nunmal nicht um Kritik an Personen, und an "den anderen" schon gar nicht, es geht um das Sytem. Jenes System, das auch die konsequentesten Verweigerer auf die ein oder andere Art in sich tragen und dessen Kategorien, so scheint es mir manchmal, jeden noch so kleinen Aspekt des Lebens durchdringen oder doch zumindest nachhaltig prägen.

Dass eine Kunst wie das Kino, die sich weitestgehend in eine auf beiderseitige Gewinnmaximierung ausgelegte Beziehung zur Industrie eingelassen hat, davon nicht auszunehmen ist, nimmt nicht Wunder. Im gleichen Atemzug, in dem wir diese Wahrheit in Abgleich mit unserer unmittelbaren Realität abgeglichen und verifiziert haben, kann es aber wohl nicht schaden, sich das Ausmaß der gegenseitigen Einverleibung ins Bewusstsein zu rufen. Hier lässt sich etwa gleich mit der banalen etymologischen Verwandtschaft der Worte zählen und erzählen beginnen, zweier Tätigkeiten also, die in Bezug auf die Filmproduktion keine kleine Rolle spielen. Wenn auch der sprachkritisch Einstieg an dieser Stelle alles andere als originell sein mag, kommt mir kein direkterer Weg in den Sinn das Ökonomische und das Narrative miteinander zu verbinden, im Grunde gleich über das Ziel dieser Verbindung hinaus zu schießen, und von einer Erzählökonomie zu sprechen, die im Kino allgegenwärtig ist.

Schreiten wir die hochverherte Ahnengalerie filmisch-avancierter Erzählungen hinab und ergötzen uns an der immer wieder beschworenen Wirkung einzelner Werke auf die Filmgeschichte, gelangen wir am Ende dieses prächtigen Korridors, der links und rechts mit allseits bekannten Filmplakaten geschmückt ist, zum bitteren Ende, nämlich zu dem Bereich, an dem gänzlich unmetaphorisch im Filmmuseum die Poster der erfolgreichsten Filme der letzten Jahre hängen. Alles Filme, die eine kurzzeitge Unterhaltung versprechen und darüber hinaus auch keine Ansprüche erheben, deren mangelnde Erfüllung man einklagen könnte. Sie sind für den kurzzeitigen Konsum ausgelegt, operieren in einem vertikalen Schema, an dessen unterem Ende der zahllose male verdaute Müll landet. Aber nicht nur die Marktplatzierung funktioniert hier nach ökonomischen Kriterien, auch die Erzählung gibt immer genau das weiter, das nach Meinung der Filmmacher dazu reicht, die Handlung nachvollziehen zu können. Die Exposition ist saftig-informationsreich, danach wird es dünner, dafür aber werden genau die Elemente in ein Spannungsverhältnis gebracht, die zuvor informationstechnisch unterfüttert wurden. Die Ernte wird einegfahren in Form von Lachern, Thrill oder romantischen Zuckungen. Irritationen sind nicht zu erwarten, weil im Normalfall in endlosen Wiederholungen alle falschen Fährten, alle Abweichungen aus der Geschichte eliminiert wurden.

Warum behandeln mich die meisten Filme also wie ein zahnloses Kleinkind, das nur dann überleben kann, wenn es die Nahrung, die seine Eltern für die richtige halten, in den ebenso bemessenen Portionen zu sich nehmen kann. Das Kino verhält sich so, als sei Erzählung ein wertvolles gut, das nur in exakt bemessenen Mengen ausgegeben werden kann, um das am Ende unter dem Strich stehende und gewünschte Ergebnis nicht zu verfälschen. Im Sinne einer Hinterfraggung dieser hier ins Bewusstsein gerufenen Muster, plädiere ich für eine antikapitalistische Wendung der narrativen Ökonomie. Gebt uns mehr oder weniger, aber bitte nicht die gleichen Dosen wie zuvor.



Obwohl Hannover nicht gerade als Olymp der Dichter und Denker bekannt ist, zeigen die Anhänger der lokalen Fußballmannschaft eine unerwartete Affinität für dadaistische Dichtkunst. Von einer euphorischen Aufbruchsstimmung möchte ich aber bei meinem letzten Besuch ausdrücklich nichts gespürt haben, von "nach weit" kann also keine Rede sein. Und falls dann in einer nicht weiter definierten Zukunft das Rathaus als sozialdemokratische Bastion fallen sollte, wird die Vorwärts auch nicht amüsiert darüber sein.






"Es steht schon 4:1!" gröhlt der Zugbegleiter durch die Lautsprecher, die nicht vorhandenen R-Laute rollend. "Wir fegen die Engländer weg!" jubiliert er weiter, als gelte es die "Tommies" von einer Landung in der Normandie abzuhalten. Bringt denn keiner den Angestellten der Bahn mehr bei, dass sich bei Nationalitäten der metonymische Singular ziehmt?