Cinephile

Who the fuck is Jarjar?

This isn't as bad as Phantom Menace
Rotten Tomatoes über die Preview von Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull in Cannes.

Der entwaffnende Blick

Charlton-Heston
(Quelle: Bright lights after dark)

"The End"

Es mag paradox klingen, aber als nach dem Tod Fletcher Christians die Meuterei auf der Bounty nach etwa 178 Minuten endete, kam mir das doch etwas plötzlich vor.

Immer dieser Pauschaltourismus

The Pathfinder, Canada/USA 2007, Marcus Nispel

Früher, und wenn ich früher sage, meine ich so 1000 nach Christus, war Urlaub noch eine wirklich aufwändige Sache. Für ein bisschen Amusement in exotischer Umgebung musste man ein paar tausend Kilometer einplanen, zurückzulegen auf einem Schiff, mit dem unsereins nicht mal über nächsten Baggersee schippern würde. Genau das macht ein Haufen skrupelloser Wikinger und geht der amerikanischen Urbevölkerung mit seinem toleranzfreien Spaßtrieb auf den Senkel, vorsichtig ausgedrückt. Parallelen zu einfallenden Party-Touristen aus Mittel- und Nordeuropa auf Malle?

Vor der Entstehung der Kultur- und Unterhaltungsindustrie verstand man unter Spaß noch etwas anderes als Koma-Saufen aus Sagria-Eimern und entsprechend benebelten Feriensex. Die sportliche Ertüchtigung besteht im Abschlachten der männlichen Dorfbewohner und Vergewaltigung der anderen Hälfte – auch wenn Parthfinder das aus unbestimmen Gründen ausspart. Drei Schiffe voller geiler Wikinger, die das Land "säubern", bevor sie es angeblich "besiedeln" wollen. Spätestens an dieser Stelle darf zum ersten mal aus voller Lunge gelacht werden, denn wie soll denn diese Siedlung aussehen? Ein schwules Liebesnest für Aussteiger aus dem skandinavischen Gesellschaftssystem?

Aufgehalten können die ungeliebten Pauschaltouristen natürlich nur vom namenlosen Arnie-Verschnitt, der schwer traumatisiert vom unsittlichen Treiben seiner Landsmänner Abstand genommen hat und sich auf die Seite der Indianer geschlagen hat. Durch seine nordmännische Geburt wurde ihm die Gabe des Conan-Schwertkampfes zuteil – der andere große Einfluss von Pathfinder, während sich die Story von Ofelas (1987) nährt, der außerhalb von Norwegen ebenfalls unter dem Titel Pathfinder zu sehen war (allerdings auch nicht empfehlenswert ist: die anachronistischen Sport-Armbrüste der bösen, schwarzen Wikinger rauben der ganzen Angelegenheit den nötigen Ernst).

Was man gutes sagen kann: die Langweile bis zum Showdown hält sich in grenzen und beschränkt sich auf die konstruierte Liebesgeschichte des Helden mit der Tochter des Häuptlings – jeder echte Macker braucht nun mal eine Braut, die er abschleppen kann. Immerhin sind die Erzählmuster der Aufeinandertreffen der beiden Parteien so alt wie die nordische Mythologie von denen die Wikinger schon gewusst haben müssten. Der Oberböse darf sprechen und bekommt zumindest sein Duell am absehabren Ende, unwichtige Lakaien haben nicht mal die Gelegenheit sich vor ihrem Ableben kritisch über ihr unfreiwilliges Ende zu äußern. Anders geht es bei Beowulf auch nicht zu in der Hackordnung.

Verworfene Untertitel

Transformers oder Warum wir unbedingt ein größeres Rüstungsbudget für diese neuen F-22 brauchen

Frauen 2

Unbekleidete Frauenfüße haben es Quentin Tarantino wohl angetan. Überall strecken Damen ihre zierlichen Stelzen in den Himmel, bevorzugt aus Autofenstern, sonst auch gerne überall anders. Die bei Pulp fiction viel diskutierte sinnliche Fußmassage scheint Tarantino ein besonders wichtiges Anliegen zu sein. Spannenderweise geht es bei Death proof nicht nur um Füße oder sonstige weibliche Geschlechtsmerkmale; die Damen dürfen autofahren, saufen, rauchen und vor allem reden, wovon sie ausgiebigen Gebrauch machen. Auch wenn es Christa Nord (taz) bereits angedeutet hatte, mich hat die genderdiskursive Ebene, die im Prinzip den ganzen Film dominiert zumindest überrascht. Die Handlung lässt sich wiederum in so wenigen Worten dramaturgisch relativ verlustlos zusammenfassen, dass es schwierig wird davon zu berichten, ohne den ganzen Film, inklusive Ende, vorwegzunehmen.

Der andere Spielplatz, auf dem sich Tarantino gleichzeitig verlustiert, ist das amerikanische Grindhouse-Kino, das dem Film in Amerika zumindest auch den Obertitel verlieh¹. Künstlich schlechter Sound, Bildsprünge, unfreiwillige Jump Cuts – die Welt billiger Actionfilme erobert Hollywood oder auch umgekehrt. Zweifelsohne ist das vermutlich das Element, das den nicht kinogeschulten Zuschauer mit einem großen Fragezeichen im Kino zurück lässt. Ohne Film-Geek gewinnt man dem absichtlich dreckigen Geflimmere auf der Leinwand wohl kaum etwas ab. Während andere Regisseure wie Michael Mann mit körniger Videokamera-Ästhetik herumexperimentieren, sind die Zeiten der trashigen Celluloid-Orgien komplett aus dem Gedächtnis des Mainstream verschwunden.

Ob man nun Death proof vollends zum Party-Film abstempelt wie Sibylle Berg (Zeit) sei jedem selbst überlassen. Obwohl das Schema des selbstreflexiven Kinos wie bei Kill Bill mit seiner Homage an Eastern und Kung-Fu-Filme erhalten wurde, darf man sich auf jeden Fall auf ein abwechslungsreiches Erlebnis freuen. Trotz aller Coolness und Verspieltheit kommt auch Death proof nicht ohne Schauwerte aus. Ein makaberer Autounfall, ein Lapdance² und eine nicht enden wollende Verfolgungsjagd. Vermutlich eine magere Ausbeute für erprobte Kinogänger, also kein Wunder, dass die Zuschauer ausbleiben. Die längere Fassung für den europäischen Markt macht es übrigens nicht besser, im Gegenteil hätten ein paar Minuten weniger auch nicht geschadet, vor allem wenn man dafür die Trailer für fiktive Filme von Rob Zombie, Eli Roth und Edgar Wright zu sehen bekäme. Die ursprünglich angepeilten 60 Minuten strecken die hochstilisierte Inhaltsleere des Films schon genug, aller wohlgeformten Frauenfüße zum Trotz.

Post scriptum. Markus Kavka spricht mit Quentin Tarantino über seine Filme, Autos, Freundinnen und Schallplatten.

1) Dort lief der Streifen zusammen mit "Planet of Terror" von Rodriguez als Double feature, wovon man nach schlechten Einspielergebnissen in Europa wieder absah.
2) Wobei ich unpassenderweise die ganze Zeit an "A lap dance is so much better when the stripper is crying" denken von der Bloodhound gang mußte.

Der Abend in Bayern

Sehen Sie heute im Bayrischen Fernsehen:
  • 20:15 Uhr: Die glorreichen Sieben
  • 22:25 Uhr: Die Rückkehr der glorreichen Sieben
  • 23:55 Uhr: Die Rache der glorreichen Sieben
  • 01:35 Uhr: Der Todesritt der glorreichen Sieben
Oder, noch besser, gehen Sie in die Videothek ihres Vertrauens und leihen Sie sich Akira Kurosawas Die sieben Samurai (Shichinin no samurai, 1954) aus, den es da vermutlich nicht geben wird, und nehmen dann doch mit dem Western Re-Import im Fernsehen vorlieb.

Diane, I think...

Cooper

Eine der zweifelsohne besten Figuren in Twin Peaks ist stets unsichtbar und tritt äußerst selten in Aktion. Ich weiß nicht, ob die Idee der Hauptfigur, FBI-Agent Dale Cooper, ein Diktiergerät als Sidekick an die Hand zu geben, von Frost oder Lynch ist – sie ist einfach grandios*. Wenn der etwas unkonventionelle Staatspolizist das Bedürfnis hat sich mitzuteilen und niemand, der geeignet dazu erscheint, in Reichweite ist, hinterlässt er stets obskure Memos für eine gewisse Diane auf seinem Diktaphon. Hauptsächlich geht es dabei um ermittlungstechnische Reflexionen und die Qualität des lokalen Apfelkuchens. Antworten von Diane gibt es zumindest keine direkten.

Es wird nicht mal klar, ob die kleinen Kassetten je eine Person mit dem Namen erreichen, so es sie denn gibt. Aber ein Ansprechpartner der nicht antwortet ist allemal besser als einer, der nur potentiell dumme Sprüche klopfen kann. Gewissermaßen als Hörtagebuch, quasi also analoger Podcast für die Jüngeren unter uns.

Eine Auswahl der Cooperschen' Ergüsse an seine mysteriöse Sekretärin sind als Hörbuch erschienen, das in Deutschland sogar für gut 80€ käuflich zu erwerben ist. Schweinepriesterpreise. Für das Geld kann man sich übrigens auch beide Staffeln der Serie auf DVD kaufen, da sind natürlich die Bänder auch dabei.

*) Fast so groß, wie der Auftritt von Fox Mulder David Duchovny als transsexueller Drogenfahnder.

Gegen den Strom

Erst ein guter Film im Bayrischen Rundfunk und jetzt auch noch der NDR. Buhlt der öffentlich-rechtliche Fernsehapparat wirklich mal um meine Gunst, wie er es verdammt noch mal tun sollte?

Lösen Sie jetzt Ihr persönliches Problem mit der kulturellen Verständigungen und schauen Sie Gegen die Wand, der wirklich weitaus besser und unterhaltsamer ist als die Kampagnen des Boulevards gegen seine Hauptdarstellerin, kostenlos auf der Homepage des NDR. Man kann vorspulen, zurückspulen, zwischen DSL und ISDN wählen (die Bildqualität ist soweit akzeptabel für Internetstreams) - das einzige, was fehlt ist ein Vollbildmodus. Aber für einen wirklich sehenswerten Film für wirklich wenig Geld kann man schon mal vor der Röhre hängen oder – die Variante für Kinder reicher Eltern – seinen Laptop mit ins Bett, auf das Sofa, in die nächste Dönerbude oder sonstwohin mit nehmen.

Wenn Sie übrigens morgen vor Ihren Freunden mit dem Genuss dieses Kulturereignisses prahlen wollen, lassen Sie sich gesagt sein (ich selber habe es von Tom Buhrow), den Namen Fatih spricht man mit einem ch am Ende aus (also Fatich Akin, wenn mir diese dummblödelnde Lautmalerei gestattet ist).

(via Spreeblick)

Zu Gast bei Freunden

Der Polizeistaatsbesuch. Beobachtungen unter deutschen Gastgebern von Roman Brodmann (D 1967)

Der Bayrische Rundfunk hat mich am letzten Wochenende wirklich überrascht. Zum vierzigsten Jahrestag des Schah-Besuchs strahlte Bayern Alpha am letzten Sonntag Der Polizeistaatsbesuch aus. Ganz gegen meine sonstige Gewohnheiten kam ich in den Genuss dieses Dokumentarfilms, der gleichzeitig selber auch ein Stück Zeitgeschichte ist. Hätte ich den ollen Scheibenwischer-Verweigerern gar nicht zugetraut.

So ganz leicht gefallen sein, kann es dem ein oder anderen beim BR nicht. Mit beinahe zynischem Witz berichtet Roman Brodmann vom zweifelhafte Glück des hohen Besuchs. Die Vorbereitungen der Staatsorgane, deutsche Gründlichkeit und vor allem die Akribie, die sicherstellen soll, dass auf jeden Fall ein guter Eindruck hinterlassen wird. Bürgersteige werden grundgereinigt, deutsche und persische Fähnchen ausgeteilt, das am Straßenrand jubelnde Publikum organisiert. Riech stark nach Potemkinschen Dörfern und erinnert an die Vorbereitungen, die die DDR auf sich genommen hat, um beim Staatsbesuch auf der BRD wenigstens über die paar Kilometer Fahrtstrecke zu glänzen.

Parallel dazu die Gegenseite: volle Hörsäle in der Freien Universität, AStA-Parolen, Spruchbänder. Brodmann geniert sich dabei nicht darum unverholen Stellung zu beziehen, auf Seite der Studenten – vielleicht macht gerade das den Film so sehenswert. Man sollte sicherlich davon absehen die Dokumentation als einzige Informationsquelle über den Schah-Besuch zu gebrauchen. Es wird nicht mal versucht zu verhehlen auf welcher Seite man steht. Als gegenöffentliche Standortangabe für alle Nachgeborenen ist das aber möglicherweise aus heutiger Sicht mehr wert als eine journalistisch saubere Dokumentation.

Der Tod von Benno Ohnesorg und seine Wiederkehr im kalendarischen System dient dem Feuilleton gerade den Achtundsechzigern einem kritischen Blick über die Schulter zu unterziehen. Alles für die Katz oder war der deutsche Staat vorher wirklich autoritärer und es hat sich doch was bewegt? Da scheint es fast schon eine Ironie des Schicksals zu sein, dass Deutschland just in diesen Tagen 40 Jahre später wieder hohen Besuch empfängt. Politisch und international geerdet versteht sich, lädt man zum G8-Gipfel nach Mecklenburg-Vorpommern und ist abermals bemüht sein Gesicht über die volle Länge der Veranstaltung zu wahren. Deswegen fängt die Polizei auch rechtzeitig an potentielle Störquellen zu sondieren. Wer wird da gleich an damals denken?

"Am nächsten Morgen musste ich den Schah zum Flugzeug bringen. Ich fragte ihn, ob er von dem Toten gehört habe. Ja, das solle mich nicht beeindrucken, das geschehe im Iran jeden Tag" (Der damalige regierende Bürgermeister von Berlin: Albertz, SPD)

Der Film ist zwar auf DVD erhältlich, leider jedoch nur im Rahmen der Zeit-Edition "Deutschland Schicksalsstunden" mit insgesamt 12 DVDs für schlappe 80 Euro.

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