Gut zwei Jahre ist Stanisław Lem mittlerweile tot, damals waren sämtliche Blogs und Magazine voll von Nachrufen, alle wollten kleine Lemminge sein, wenn mir dieses famose Wortspiel gestattet ist, und erst jetzt kürzlich habe ich endlich geschafft, mir
Eden zu Gemüte zu führen, obendrein noch als schnödes Hörbuch. Da ich durchaus eine diffuse Affinität zu dem habe, was bei
Paleo-Future regelmäßig als Retro-Scifi herausgekramt wird – die Zukunft der frühen 80er Jahre gefiel mir immer schon besser als die gegenwärtige – ist Lem aus dem Jahre 1960 allein als historisches Dokument amüsant.
Dabei ist Eden selbstverständlich kein Groschenroman "mit Weltraumgedöns". Die Situation der namenlosen Hauptfiguren – die Landung auf einem unbekannten Planeten – wird tatsächlich nicht nur für billige dramaturgische Effekte ausgeschlachtet, sondern dient als Anlass über Menschlichkeit, Zivilisation und Fremdheit zu reflektieren. Auch die Erfahrungen eines Lebens in einem totalitären System klingen an, was bei einem polnischen Autor um die Zeit auch biographisch schlüssig scheint.
Aktuell jedenfalls alle mal, besonders wenn man an Schlagworte wie "Überfremdung" denkt, mit der die NPD und Konsorten die Angst vor einer "ausserkulturellen Begegnung der dritten Art" schüren möchten.